Marketing 2016: Eine redaktionelle Aufgabe

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ie schnell hätten Sie's denn gerne? Auch zum Jahresbeginn 2016 gehen Marketing-Strategen nicht von der Bremse. Doch was brauchen Unternehmen, um in die Echtzeit-Kommunikation einzusteigen?

Alexander Wipf, Head of Strategy & Innovation bei Leo Burnett Deutschland, macht sich auf absatzwirtschaft.de Gedanken zu „Realtime Marketing“ und „Realtime Content“. Es gehe darum, „Themen aufzugreifen, auszuprobieren und schnell zu lernen“. Statt der großen Kommunikationsidee sieht er „kleine und kontextsensitive Ideen“. Zumindest im ersten seiner neun Eckpfeiler, mit denen er das Echtzeitthema einfliegt. 

Schon wollte ich Protest anmelden, schließlich können Einzelmaßnahmen nur auf Basis einer klaren Positionierung erfolgen, nicht im Rahmen einer Schrotflinten-Taktik. Doch Wipf bekommt selbst noch die Kurve, wenn er im neunten und letzten Punkt auf die Notwendigkeit einer „ganzheitlichen Change-Strategie“ hinweist.

Wie bei der guten alten Tageszeitung

Dazwischen wird viel Bekanntes einsortiert: Content braucht Marketing für die Sichtbarkeit, redaktionelle Planung spart Ressourcen, die Auswahl der richtigen Plattform entscheidet mit über den Erfolg. Marketing braucht ein strategisches Gerüst, aber auch große Flexibilität.

Das kennen wir, lassen wir also die Buzzwords weg und nennen das Kind beim Namen: Marketing wird 2016 immer mehr zu einer redaktionellen Aufgabe. Denken Sie an den Ablauf in einer Tageszeitung, sind Sie schon ganz nah dran. Dort wird auch mittel- und langfristig geplant (zum Beispiel die Sonderbeilage zu Weihnachten). Ebenso wichtig ist es, schnell auf aktuelle Ereignisse zu reagieren. 

Ein Tweet für Tim Cook

Schnell, das bedeutet im Zweifelsfall: ein Tweet, wenn der FC Bayern das 1:0 schießt oder ein Facebook-Post, wenn Tim Cook beim Apple-Event zum ersten Mal das neue iPhone hochhält. 

Journalisten sortieren alle Informationen, die ihnen unterkommen, sofort nach einem Kriterium: Steckt da eine Geschichte drin oder nicht? Darum hören sie so oft schon nach ein bis zwei Sätzen nicht mehr zu. Was die Familie des Redakteurs zum Wahnsinn treibt, müssen sich Marketer jetzt mühsam aneignen. Zuhören, verstehen, Geschichten aufschnappen und evtl. nachrecherchieren. 

Der Kampf um die Aufmerksamkeit wird täglich neu entschieden. Es gewinnt, wer gutes Personal, die richtigen Prozesse und eine gehörige Portion Risikobereitschaft mitbringt. Denn je mehr wir uns dem Echtzeit-Marketing nähern desto weniger Kontrollmechanismen bleiben uns. Eine von vielen Herausforderungen, die Unternehmen als Medienmacher 2016 bewältigen müssen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg!